Duale Ausbildung
Erfolgt die Ausbildung sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule, wird dies das duale System genannt. Das duale Berufsausbildungssystem bezeichnet die gleichzeitige Ausbildung in Berufsschule und Betrieb. Vorausgesetzt wird ein Berufsausbildungsvertrag. Der berufsbezogene praktische Teil der Ausbildung findet im Betrieb statt. Theorie zum jeweiligen Berufsfeld und Allgemeinwissen vermittelt die Berufsschule. Der Auszubildende absolviert einmal oder zweimal pro Woche eine Berufsschule. Teilweise findet aber auch mehrmals jährlich einen Blockunterricht von vier bis acht Wochen statt. Der praktische Teil der Ausbildung wird den Auszubildenden in den Betrieben vermittelt, den theoretischen Teil übernimmt die Berufsschule.
Als Grundlage für die betriebliche Ausbildung dient die Ausbildungsordnung des jeweiligen Berufs. Der Berufsschulbesuch beinhaltet meist zwölf Unterrichtsstunden pro Woche. Die Ausbildung in der Berufsschule teilt sich in einen fachtheoretischen und einen allgemeinen Teil mit den Fächern Deutsch, Politik, Religion und Sport.
Die Ausbildung enthält eine Zwischenprüfung zur Dokumentation des bisher erzielten Lernerfolgs und erfolgt meist zur Mitte der Lehrzeit. Am Ende der Ausbildung erfolgt die Abschlussprüfung, in der die berufliche Qualifikation und das erworbene Fachwissen getestet werden. Die Abschlussprüfung wird in der Regel von den Kammern abgenommen, je nach Beruf zum Beispiel von der Handwerkskammer, der Industriekammer oder der Handelskammer und zwar von dafür eingesetzten Prüfungsausschüssen. Das Handwerk schließt die Prüfung mit der Gesellenprüfung ab.
Die duale Ausbildung für Lehrberufe
Das duale System wird in der Regel für Lehrlingsberufe angeboten oder von Abiturienten und Fachhochschülern wahrgenommen. Bei letzteren an Akademien oder Fachhochschulen.Die Ausbildungsvergütung, also das sogenannte Lehrlingsgehalt, ist extrem branchenabhängig und kann bei Auszubildenden im Bankwesen deutlich höher liegen als beispielsweise bei einigen Handwerksberufen. Die Agentur für Arbeit und die zuständigen Kammern geben hier genaue Auskunft. Siehe hierzu auch www.gehalts-check.de.
Auszubildende können Berufsausbildungsbeihilfe beantragen, vorausgesetzt sie leben in einem eigenen Haushalt und nicht mehr bei den Eltern. Anträge können bei der Agentur für Arbeit gestellt werden.
Die Lehrstellenangebote werden in der Regel ein Jahr vor Lehrbeginn ausgeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt sollte auch die Bewerbung erfolgt sein. Dabei gibt es die Möglichkeit nach Bewerbung zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden oder vorab an einem Einstellungstest teilzunehmen, was große Unternehmen oftmals praktizieren.
Der Ausbildungsbeginn erfolgt in der Regel zum allgemeinen Schulbeginn nach Beendigung der Sommerferien des jeweiligen Bundeslandes. Ein Gesundheitszeugnis ist zu Beginn der Ausbildung vorzulegen.
Eltern beziehen bis zum siebenundzwanzigsten Lebensjahr ihres Kindes auch während der Berufsausbildung Kindergeld oder können Kinderfreibeträge geltend machen. Eltern in Ausbildung beziehen ebenfalls Kindergeld.
Der Lehrvertrag enthält eine Ausbildungsgliederung, aus der die thematische und zeitliche Struktur der Ausbildung hervorgeht, sowie die genaue Bezeichnung des zu erzielenden Berufsabschlusses. Ferner wird in ihm Beginn und Dauer der Berufsausbildung, Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte sowie Dauer der Tages- und Monatsarbeitszeit, der Probezeit und des Urlaubs und schließlich die Vergütung geregelt.
Die Vorteile der dualen Ausbildung für Lehrberufe liegen in der Praxisnähe, die nach Beendigung oftmals zu einer guten Chance auf dem Arbeitsmarkt oder der direkten Übernahme durch den auszubildenden Betrieb führt. Darüber hinaus ist die duale Ausbildung abwechslungsreicher als eine reine theoretische Berufsausbildung.
Die duale Ausbildung für Abiturienten und Qualifikanten mit Fachhochschulreife
Die Ausbildung für Abiturienten und Qualifikanten mit Fachhochschulreife findet ebenfalls im Betrieb und an einem Schulort statt. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Fachhochschule oder eine Akademie wie zum Beispiel eine Berufs-, Verwaltungs- oder Wirtschaftsakademie. Die Dauer, inklusive Studium, der kaufmännischen Ausbildung beträgt drei Jahre, die der gewerblich-technische Ausbildung vier Jahre. Abschlüsse sind möglich als Betriebswirt (BA oder FH), Handelsassistent, Ingenieur (BA oder FH), Ingenieurassistent, Mathematisch-technischer Assistent (MATA), Wirtschaftsassistent oder Wirtschaftsdiplombetriebswirt (VwA).
Die Ausbildung setzt sich aus anderthalb Jahren praktischer Berufsausbildung und einer dreisemestrigen wissenschaftlichen Ausbildung an einer Akademie, Hochschule, Fachhochschule zusammen. Der erste Ausbildungsabschnitt endet bei einer kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Ausbildung mit der Prüfung zum Industriekaufmann mit Industrie- und Handelskammer-Abschluss. Der zweite Ausbildungsabschnitt besteht ebenfalls aus drei Semestern und praktischer Berufsausbildung und baut auf den ersten Abschnitt auf. Die Ausbildung schließt mit einer Diplom-Prüfung ab.
Die Bewerbung erfolgt ein Jahr vor Schulabschluss. Einstellungstests sind die Regel. Als Vergütung erhält ein Praxis-Student zwischen 600,- und 900,- Euro zu Beginn der Ausbildungszeit. Genaue Angaben erhalten Sie auch hier auf www.gehalts-check.de.
Mit Bestehen der Abschlussprüfung ergeben sich für den Absolventen sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Durch die praxisnahe Ausbildung und Qualifikation haben die Absolventen teilweise bessere Aufstiegschancen als Fachhochschulabsolventen.
An diese Ausbildung kann sich ein weiteres Studium, beispielsweise an einer Berufsakademie mit der Möglichkeit, MBA-Studium zu absolvieren, anschließen.
Die Vorteile dieser dualen Ausbildung liegen in der kurzen Studienzeit, der Wertigkeit eines IHK-Abschlusses, der praxisnahen Ausbildung mit der Verbindung aus Theorie und Berufserfahrung und der hohen Übernahmechance durch das ausbildende Unternehmen.
