Karriere statt Ruhestand
Die Anzahl der Rentner, die nach dem Berufsausstieg einen neuen Job annehmen, steigt kontinuierlich. Gründe hierfür lassen sich auf die Gruppe derjenigen, die mit der zur Verfügung stehenden Basisrente nicht leben können und hinzuverdienen müssen, um nicht in die sogenannte Altersarmut zu geraten oder aber Personen, die einfach eine neue Herausforderung suchen und nicht untätig zu Hause sitzen wollen, dabei finanziell oft gut versorgt sind. Teilweise ist es auch eine Kombination aus beidem, die Ruheständler zur Weiterbeschäftigung veranlasst.
Nach Angaben des Bundessozialministeriums arbeiteten 2008 allein circa 700.000 Menschen über 65 Jahre als Minijobber. Zu beachten sind aber die Grenzwerte für den Hinzuverdienst vor Eintritt ins Rentenalter. Dazu führt die „Deutsche Rentenversicherung Bund“ aus:
Nach dem 65. Geburtstag dürfen Rentner grundsätzlich so viel verdienen, wie sie wollen.
Wer vor seinem 65. Geburtstag ein zusätzliches regelmäßiges Einkommen von 400 Euro monatlich bezieht, darf zudem aufgrund einer Neuregelung, die rückwirkend ab Januar 2008 gilt, wie bisher zweimal pro Jahr das Doppelte hinzuverdienen.
Wenn das monatliche Einkommen regelmäßig den zulässigen Hinzuverdienst überschreitet, wird die Rente um mindestens 1/3 gekürzt und als sogenannte Teilrente ausgezahlt. Wer also nur geringfügig mehr als 400 Euro verdient, kann unter dem Strich sogar weniger netto bekommen. Je höher der Hinzuverdienst, umso niedriger die Teilrente. Teilrenten gibt es als 1/3-, 1/2- und als 2/3-Rente. Vor Aufnahme einer Beschäftigung mit mehr als 400 Euro sollte sich also jeder bei seinem Rentenversicherungsträger beraten lassen.
Die Berechnung für Teilrenten ist für jeden Versicherten individuell vorzunehmen. Grundlage bildet unter anderem das Einkommen der letzten drei Jahre vor Rentenbeginn und die Art der Teilrente. Neurentner erfahren aus ihrem Rentenbescheid die für sie geltenden aktuellen Hinzuverdienstgrenzen. Die Grundlage ist dabei immer der Bruttoverdienst.
Gründe für eine Zweitkarriere
- neue Herausforderung
- Ruhestand wird schnell langweilig
- Suche nach Aufgaben und neuen Zielen
- Wunsch, mit jungen Kollegen zusammenzuarbeiten
- Kontakt zu Jüngeren halten
- einer erfüllenden Tätigkeit nachgehen
- statt Ende des Lebens Anfang eines neuen Lebens
- Gefühl gebraucht zu werden
- Wunsch, länger aktiv im Berufsleben zu bleiben
- Wissen an die nächste Generation weiterzugeben
- nicht in ein Loch zu fallen
Insbesondere unter Führungskräften, die in der Regel über eine höhere finanzielle Altersabsicherung verfügen als die Mehrzahl der Arbeitnehmer, ist der Wunsch nach einer sinnvollen Tätigkeit mit Beginn des Ruhestands ausgeprägt. Laut einer Untersuchung der Personalberatung Korn/Ferry International unter Führungskräften sind die Gründe für eine Berufstätigkeit im Alter Langeweile im Ruhestand und der Wunsch nach Produktivität. 13 Prozent der Personalvermittler gaben ungenügende Ersparnisse und das Bedürfnis nach persönlichen Kontakten an. Auf die Frage, welche Art von Zweitkarriere Führungskräfte suchen, nannte die Mehrzahl der Teilnehmer Beratungsprojekte. Die Hälfte wolle als Freiberufler arbeiten und ebenso befristete Aufträge übernehmen. Persönliche Interessen, wie ehrenamtliche Tätigkeiten oder Hobbys wurden erst später genannt.
Literatur
Bolles, Richard Nelson; Nelson, John E.; Leitner, Madeleine: Die besten Jahre: Planen Sie jetzt, wie Sie nach dem Job leben wollen. Frankfurt am Main 2008.
Hinzuverdienstmöglichkeiten. Deutsche Rentenversicherung Bund Broschüre. Die DRB hält darüber hinaus über Homepage und Servicetelefon weiterführende Informationen kostenlos bereit.
Schnell, Peter: Gedankenstrich - zwischen Karriere und Ruhestand: Auf dem Jakobsweg von Stuttgart nach Santiago de Compostela. Norderstedt 2008.
