Bewerbungsgespräch
Das Bewerbungsgespräch oder auch Vorstellungsgespräch wird in der Regel zwischen einer Person, die sich auf eine Stellenausschreibung oder eine Stellenanzeige beworben hat und dem potentiellen Arbeitgeber persönlich in den Räumen des Unternehmens geführt. Diese gebräuchlichste Form des Bewerbungsgesprächs nennt man Präsenzbewerbungsgespräch. Telefongespräche sind eher die Ausnahme. In diesem Fall spricht man dann vom telefonischen Bewerbungsgespräch. Auch Bewerbungsgespräche außerhalb des Unternehmens sind eher bei Führungspositionen üblich, wenn beispielsweise auch ein Headhunter oder Personalberater beauftragt wurde. Das Vorstellungsgespräch in einer Hotellobby oder einem Restaurant ist ebenfalls eher seltener, kann aber durchaus im Rahmen einer ersten Kontaktaufnahme durchaus möglich sein.
Die Anzahl der Teilnehmer an einem Bewerbungsgespräch kann je nach Unternehmensgröße unterschiedlich sein. Bei großen Organisationen können neben dem zuständigen Vorgesetzten der Fachabteilung der Abteilungsleiter, der Personalverantwortliche und eine Person des Betriebsrats anwesend sein. Auch kann ein Vorgesetzter einen Mitarbeiter hinzuziehen, um ein Feedback zu einem dann möglichen potentiellen Kollegen zu erhalten.
Es geht beim Bewerbungsgespräch sowohl um die Erfassung fachlicher Fähigkeiten, als auch um soziale Kompetenzen. Die Firma ist daran interessiert zu wissen, ob der Kandidat zu den Kollegen passt und die Anforderungen erfüllt. Darüber hinaus wird sein äußeres Erscheinungsbild genauestens begutachtet und auf Kleidung und das gesamte Outfit geachtet.
Bei den Bewerbungsverfahren kann es durchaus zu mehreren Bewerbungsgesprächen kommen. Dabei wird der Teilnehmerkreis immer weiter verkleinert, bis eine Finalisierung auf einige, wenige Kandidaten stattgefunden hat und des dann zum Entscheidungsgespräch kommt. Teilweise wird an die Bewerbungsgespräche aber auch ganz unterschiedliche Erwartungen geknüpft. Dabei werden mit dem Erstgespräch und dem Zweitgespräch andere Zielsetzungen verfolgt.
Gesprächsdurchführung
Falls das Erstgespräch nicht auch gleichzeitig das eigentliche Bewerbungsgespräch ist, dient das Erstgespräch auch dazu, eine unternehmensspezifische Aufgabenstellung zu lösen. Diese ist entweder noch im Termin zu lösen oder bei einem Anschlusstermin zu präsentieren. Fand beim Ersttermin lediglich die Sichtung der Kandidaten statt, können in dem Zweitgespräch konkrete Verhandlungen stattfinden; beispielsweise zum Gehalt, zur Ausgestaltung der Position, zum konkreten Kompetenzbereich und zum tatsächlichen Arbeitsbeginn.Das Bewerbungsgespräch beststeht in der Regel aus den Teilen:
- Begrüßung
- Vorstellung der Gesprächsteilnehmer
- Vorstellung des Unternehmens, der Abteilung, der zu besetzenden Position
- Selbstdarstellung des Bewerbers
- Fragen an den Bewerber
- Fragen des Bewerbers an das Unternehmen
- Klärung des weiteren Vorgehens
- Verabschiedung
Formale Beachtungspunkte Bewerbungsgespräch
- Vorstellung mit Vor- und Nachname
- fester Begrüßungshandschlag
- erst nach Aufforderung Platz nehmen
- Gesprächspartner mit Namen ansprechen
- alkoholische Getränke und Zigaretten ablehnen
- alkoholfreie Getränke dürfen angenommen werden
- aktiv zuhören
- nicht unterbrechen
- Gespräch nicht an sich reißen
- Nachfragen
- Präzise ausdrücken
- keine Umgangssprache oder Jugendsprache verwenden
- sachlich bleiben
- langsamere und deutliche Aussprache
- Arme nicht verschränken
- nicht zurücklehnen
- nicht auf dem Stuhl kippeln
- Beine nicht kreuzen aber auch nicht zu breitbeinig sitzen
- auf der ganzen Sitzfläche des Stuhls sitzen
- Hände ruhig halten
- Blickkontakt halten
Inhaltliche Beachtungspunkte Bewerbungsgespräch
- Unternehmenskenntnisse: Es wird geprüft, ob der Bewerber sich eingehend über das Unternehmen beschäftigt hat, und ob er zum Unternehmen passt. Entscheidend ist eine gute Vorbereitung, indem man sich bereits im Vorfeld umfangreiche Informationen zum Unternehmen besorgt (z.B. über die Unternehmenshomepage). Informieren sollte man sich über Branche, Dienstleistungen, Produkte des Unternehmens, Unternehmensphilosophie, Erfolge und aktuelle Entwicklungen des Unternehmens.
- Unternehmensvorlieben: Hier wird die Identifikation des Bewerbers mit dem möglichen neuen Arbeitgeber abgeklopft. Passt die Person zu uns und kann sie eine positive Verbindung zu den Produkten oder Dienstleistungen des Unternehmens herstellen?
- Eigeneinschätzung Stärken: Bei der Frage nach den eigenen Stärken ist Vorsicht geboten. Nicht übertreiben, aber dennoch selbstbewusst auftreten und die Stärken überzeugend und selbstsicher darlegen. Mögliche Antworten sind Kreativität, hohes Organisationsvermögen, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, sich gern und schnell in neue Themenfelder einarbeiten, Teamfähigkeit.
- Eigeneinschätzung Schwächen: Vorsicht vor allzu offenen Ausführungen. Lieber etwas nicht ansprechen wie zum Beispiel bei Unsicherheit bei aktiven Telefonanrufen. Ein Arbeitgeber möchte nicht gern hören, dass Sie zur Unpünktlichkeit neigen. Ziel bei der Beantwortung der Frage ist es, die angegebenen Schwächen in Stärken zu wandeln. Antwortmöglichkeiten sind, dass Sie in der Präsentation von Vorträgen noch ungeübt sind; es sei denn, dass dieser Punkt einer der Hauptqualifikationen ist. Des Weiteren, dass Sie bei der Bedienung von bestimmten Computerprogrammen noch Schwächen haben; es sei denn, Sie bewerben sich auf eine Stelle als Poweruser. Des Weiteren, dass Ihre rhetorischen Fähigkeiten Verbesserungswürdig sind, es sei denn, Sie wollen als Verkaufsleiter beginnen. Es handelt sich also eher um Schwächen aus Nebenbereichen, die durch Schulungen kompensiert werden können und nicht zu Ihrem eigentlichen Aufgabengebiet zählen.
- Fremdeinschätzung: Geben Sie an wie Sie andere sehen und von Außenstehenden sowohl positiv als auch negativ beurteilt werden. Dabei gilt wiederum die Einhaltung der vorgenannten Punkte.
- Der beste Kandidat sein: Zeigen Sie durch eine schlüssige Antwort, dass Sie aufgrund Ihrer Neigungen, Qualifikationen und Ihrer Identifikation mit der Branche die ideale Besetzung für die Position sind. Verdeutlichen Sie, dass Sie aufgrund Ihrer persönlichen Stärken gut zum Jobprofil passen, die Aufgabe als herausfordernd und motivierend empfinden sowie eine hohe Lernbereitschaft haben.
- Lücken im Lebenslauf: Unternehmen legen grundsätzlich Wert auf einen lückenlosen Lebenslauf. Falls diese vorhanden sind, sollten Sie dafür eine Begründung parat haben und diese glaubhaft und souverän präsentieren können. Arbeitslosigkeit ist nicht zwangsläufig ein Makel und kann jeden treffen. Wichtig ist es dann zu zeigen, was Sie in dieser Zeit getan haben, welche Bemühungen Sie unternommen haben und dass Sie parallel eventuell freiberuflich tätig waren. Ein längerer Urlaub ist nicht verwerflich und kann durchaus positiv verargumentiert werden, beispielsweise mit der eigenen Positionsbestimmung oder der Neuorientierung.
- Entscheidungsgründe: Haben Sie sich für einen Beruf entschieden, sollten Sie die Wahl auch begründen können. Es darf nicht der Eindruck der Beliebigkeit oder des Zufalls entstehen; so dass Sie den Beruf unüberlegt ergriffen haben oder weil Ihnen nichts Besseres eingefallen ist. Grundlage für die Berufswahl sind Ihre Interessen und Neigungen. Personalverantwortliche gehen davon aus, dass derjenige seinen Beruf besser ausübt, bei dem sich die Neigungen mit den Berufsanforderungen decken. Verdeutlichen Sie, dass Ihre Vorlieben gut zum gewählten Beruf passen.
- Fünf-Jahres-Perspektive: Entwickeln Sie eine Wunschperspektive für Ihren beruflichen Werdegang im neuen Unternehmen. Seien Sie jedoch vorsichtig in der Skizzierung allzu ehrgeiziger Ziele, die Ihr Gegenüber abschrecken könnte, falls die ausgeschriebene Position kaum Entwicklungsperspektiven zulässt oder diese sich lediglich auf die Position Ihres Gesprächspartners bezieht. Geklärt werden soll an dieser Stelle auch, ob Sie eigene Perspektiven entwickeln können und ob sich diese mit den Unternehmensperspektiven decken. Dabei können Sie auch verdeutlichen, dass Sie flexibel sind, sich auf neue Situationen einstellen können und Sie nicht zu festgefahren sind.
- Wechselgründe: Mit dieser Frage wird abgeklopft, ob Sie an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind und Durchhaltevermögen haben oder schnell wieder den Job wechseln wollen, sobald sich Schwierigkeiten oder eine andere Perspektive ergeben. Auch Konflikte mit dem Vorgesetzten oder Kollegen könnten Sie veranlasst haben, sich nach einer neuen Stelle umzusehen. Hier ist es schwierig dafür eine positive Argumentation abzuleiten, da das neue Unternehmen mutmaßen könnte, dass gleiche Schwierigkeiten wieder auftreten werden und es an Ihnen liegt und nicht am alten Arbeitgeber. Loyalität gegenüber dem alten Arbeitgeber ist oberstes Gebot. Reden Sie niemals schlecht über Ihren alten Arbeitgeber und geben Sie auch niemals interne Informationen preis (Verschwiegenheitspflicht). Wechselgründe sind eher die Suche nach neuen Herausforderungen, eine Neuorientierung oder der Mangel an Entwicklungsperspektiven.
- Gehaltsforderungen: Lassen Sie sich vorab über www.gehalts-check.de eine Gehaltsanalyse erstellen, um ganz sicher zu sein, mit welcher Forderung Sie in dieses Gespräch gehen können. Informieren Sie sich also bereits vor dem Vorstellungsgespräch über das branchenübliche Gehaltsniveau für die angestrebte Position. Die Frage nach dem Gehalt kommt nicht zwangsläufig in jedem Vorstellungsgespräch, allerdings ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass dieses Thema doch zur Sprache kommt. Als Antwort sollten Sie einen Jahresbrutto-Gehaltsrahmen nennen und begründen können. Leiten Sie diese Forderung von Ihrer Qualifikation, ihrer Erfahrung und Ihrem Wissen ab, nicht von Aussagen wie: „Das ist angemessen.“ oder: „Ich brauche so viel.“ oder: „Alles ist teurer geworden.“
- Fragen: Hat man sich vorab über das Unternehmen informiert, stellen Fragen kein Problem dar. Beginnen Sie mit Fragen zum Aufgabengebiet, zum Arbeitsplatz oder zur Unternehmensstrategie, beispielsweise Fragen zur Arbeitsweise, Fragen zur Einarbeitungsphase, Fragen zu Aufstiegsmöglichkeiten und Weiterbildungsangeboten, Fragen zur Arbeitsplatzbesichtigung, Fragen zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen, Fragen zu Filialen, Außenstellen und Auslandseinsätzen. Erst am Ende können Sie je nach Gesprächsverlauf die Themen, Arbeitszeitregelung, Betriebskantine oder Urlaub ansprechen. Es darf keinesfalls der Eindruck entstehen, dass für Sie die Annehmlichkeiten im Vordergrund stehen. Klären Sie diese Punkte lieber vor Vertragsunterzeichnung.
Literatur
Hesse, Jürgen; Schrader, Hans Christian. Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch. Wie Sie beeindrucken, überzeugen, gewinnen. Frankfurt am Main 2008.Püttjer, Christian; Schnierda, Uwe. Das überzeugende Bewerbungsgespräch für Hochschulabsolventen. Frankfurt am Main 2008.
Schuler, Heinz. Das Einstellungsinterview. Göttingen 2002.
