Benimmregeln
Richtiges Benehmen ist ein wesentlicher Bestandteil im Privatleben als auch im Beruf. Der Karriereknick ist bei schlechtem Benehmen vorprogrammiert. Wer hier nicht sicher und souverän auftreten kann, sollte sich durch entsprechende Lektüre und Kurse weiterbilden.
Bücher zu diesem Thema gibt es viele, von denen am Ende zwei aufgeführt sind. In ihnen geht es um das richtige Verhalten im Beruf. Ein Benimmbuch ist dabei ein Leitfaden für gutes Benehmen, in diesem Fall für Deutschland. In anderen Ländern und Kulturkreisen gibt es davon erhebliche Unterschiede.
Unter Benimmunterricht wird die pädagogische Vermittlung von guten Umgangsformen, Höflichkeit und Regeln des sozialen Umgangs im Beruf verstanden. Hier bietet das Internet diverse Adressen von Veranstaltern in der jeweiligen Region.
Wenn die vermittelten Inhalte zu grundlegenden Umgangsformen durch das Elternhaus, die Schule und den Tanzunterricht nicht mehr genügend ausgeprägt sind, muss entsprechend wieder neu begonnen werden. Gerade in der letzten Zeit wird Benimmunterricht wieder verstärkt gefordert, betrieben und auch immer mehr wieder nachgefragt. Auch die Politik und die Unternehmen fordern hier die Vermittlung von Grundwissen bereits im Schulalter.
Die wichtigsten Benimmregeln zum Verhalten allgemein, im Restaurant, bei der Kleidung und im Umgang mit Vorgesetzten und Untergebenen erhalten Sie hier:
Regeln für korrektes Benehmen
- Ärmellänge: Tragen Sie unter Sakkos oder Anzügen keine Kurzarmhemden. Die Hemdmanschette muss unter dem Ärmel herausschauen, dabei enden die Ärmel des Sakkos oder Anzugs knapp über dem Handrücken, die Hemdmanschette schaut darunter einen Zentimeter heraus.
- Anrede: Titel und Mandate richtig in die Ansprache integrieren. Akademische Grade des Doktors und höher werden bei der Anrede dem Namen vorangestellt, alle niedrigeren Titel wie, Diplom, Magister, Master und Bachelor-Titel werden in Deutschland nicht ausgesprochen. In Österreich spricht man die Person dagegen mit Herrn Magister … an. Doppelnamen werden grundsätzlich vollständig ausgesprochen. Ehrentitel und öffentliche Mandate wie Herr Ministerpräsident. Bei Adelstiteln entfällt die Voranstellung von Herr oder Frau.
- Aperitif: Wenn der Aperitif vor dem Essen gereicht wird, das Glas nicht zum Tisch mitnehmen; das ist Aufgabe des Kellners. Eingedeckte Gläser werden von rechts nach links, Besteck von außen nach innen verwendet. Gläser werden nur bis zum ersten Drittel eingeschenkt und nur am Stiel angefasst, falls vorhanden.
- Aufmerksamkeit: Interesse am Thema bekunden. Notizen machen erlaubt. Fundierte Information im Vorfeld und zeigt Engagement.
- Augenkontakt: Gesprächspartner grundsätzlich in die Augen ins Gesicht sehen und damit Aufrichtigkeit zeigen. Den Gesprächspartner aber nicht anstarren, was als Aufdringlich empfunden wird.
- Beginn: Nicht trinken, bevor der Gastgeber dazu aufgefordert hat. Wünschen Sie statt des kaum noch gebräuchlichen „Guten Appetit“ besser einen netten Abend und gute Gespräche. Nicht anstoßen, sondern zunicken und zuprosten.
- Begrüßung: Reichen Sie Ihrem Gegenüber die Hand, wenn Sie in der entsprechenden Position sind, sonst ergreifen Sie immer die Ihnen entgegen gehaltene Hand. Zur Begrüßung wird Guten Morgen, Guten Tag und Guten Abend gesagt. Privat grüßt immer, wer dazukommt oder den anderen zuerst sieht. Geschäftlich zählt allein die Hierarchie. Bei Meetings begrüßen sich aber immer jene zuerst, die sich schon kennen. Danach stellt der Rangniedrigere seine Begleitung vor, ebenso der Ranghöhere danach. Jetzt sind alle miteinander bekannt und können sich die Hand geben.
- Besteck: Einmal aufgenommenes Besteck wird niemals auf die Tischdecke zurückgelegt. Hat man sein Essen beendet, wird das Besteck zusammengelegt und parallel mit den Griffen circa auf „fünf Uhr“ gelegt. Machen Sie eine Essenspause, bleibt das Besteck, halb gekreuzt mit den Griffen vom Teller weg, liegen.
- Büfett: Erlaubt ist, jederzeit zum Büfett zu gehen, um einen weiteren Gang zu holen. Tabu ist hingegen, den Teller zu voll zu laden. Speisen werden grundsätzlich nicht am Büfett probiert oder gar aufgegessen. Einmal benutztes Geschirr verbleibt am Tisch. Für jeden Gang wird ein neuer Teller genommen.
- Casual wear: Bedeutet gehobene Freizeitkleidung ohne Krawatte wie zum Beispiel Baumwollhose, Polohemd, Jackett. Beim Business Casual ist die Kleiderordnung etwas strenger. Kostüm oder Hosenanzug und nicht zu hohe Absätze für Frauen und Kombination ohne Krawatte für Männer. Beim Smart Casual als Einladungen nach der Arbeit ist Anzug vorgeschrieben beziehungsweise Rock, der nicht kürzer als eine Handbreite über Knie ist.
- Cocktail: Zu eleganten Partys und Vernissagen ab Spätnachmittag mit dunklem Anzug, einfarbigem Hemd und dunkler Krawatte beziehungsweise Cocktailkleid schwarz, bei dem Schultern, Dekolleté und Bein gezeigt werden darf.
- Couvert-Brot: Es wird auf den kleinen Beistellteller gelegt, auf dem auch ein kleines Messerchen für die Butter liegt. Es wird ausschließlich gebrochen, nicht geschnitten, und anschließen mit Butter bestrichen.
- Duzen: Ein Du darf nur der Ranghöhere anbieten. Frauen dürfen Männern das Du anbieten, nicht umgekehrt. Ältere dürfen jüngeren das Du anbieten, nicht umgekehrt.
- Einstecktuch: Es ist aus weißer Baumwolle, modern auch aus farbiger Seide oder Kaschmir. Es muss ein anderes Muster als die Krawatte haben, jedoch farblich dazu passen.
- Humor: Nicht übertreiben. Humor und Ironie können auch missverstanden werden. Gegen Lächeln und Lachen ist aber nichts einzuwenden.
- Fingerfood: Artischocken, Austern, Canapés, Garnelen, Hummer, Muscheln, Spare Rips oder Wachteln dürfen mit den Fingern gegessen werden. Dies gilt grundsätzlich auch für Geflügel. Dennoch sollte anständig gegessen werden.
- Fliege: Die schwarze Fliege wird zu Abendanlässen oder auch Tagesveranstaltungen wie Hochzeiten getragen. Sie gehört zum Smoking mit Hemd mit Doppelmanschetten, Kummerbund und Einstecktuch und schwarzen Schuhen. Die Frau trägt eine lange, schwarze Robe, kleiner Tasche und schwarzen oder farbigen Accessoires. Die weiße Fliege wird zum Frack getragen mit weißer Weste mit tiefem Ausschnitt, Stehkragenhemd mit verdeckter Knopfleiste und Lackschuhen. Die Frau trägt ein bodenlanges Abendkleid in schwarz, weiß oder grau und bedeckte Schultern bei Erscheinen. Zum Ballkleid geschlossene Schuhe mit Seidenstrümpfen.
- Flugzeug: Begrüßung und Verabschiedung bevor man Platz nimmt beziehungsweise nach dem Aufstehen. Dem Passagier in der Mitte stehen die Armlehnen links und rechts zu; Gang- und Fensterplatz bekommen je eine Armlehne. Falls Sie aufstehen, nicht am Vordersitz festhalten und nicht permanent die Rückenlehnen hoch- und runter klappen.
- Forderungen stellen: Negative Themen oder Forderungen sollten nie zu Beginn des Gespräches, sondern vielmehr bei der Verabschiedung höflich erwähnt werden. Vertragliche Vereinbarungen wie Gehalt und Urlaubszeiten können immer noch bei weiteren Gesprächen geklärt werden. Bei Bewerbungen sollte die Fahrtkostenübernahme nicht zu Beginn, sonder erst am Ende angesprochen werden, falls dies bis dahin nicht vom Unternehmensvertreter angesprochen worden ist.
- Gastgeschenke: Bei privaten Einladungen angebracht. Dabei sollte es ein kleines, dem Anlass entsprechendes Geschenk sein. Blumen werden erst im letzten Moment entpackt und dann unverpackt überreicht. Bei Paaren überreicht der Mann die Blumen.
- Jacketts: Achtung beim Zuknöpfen! Zweireiher immer geschlossen. Bei Sakkos mit zwei Knöpfen bleibt ein Knopf geschlossen, wahlweise der untere oder der obere. Bei Drei-Knopf-Sakkos bleiben beide oberen Knöpfe zu oder nur der mittlere. Bei Vier-Knopf-Sakkos bleiben die beiden mittleren oder die drei oberen Knöpfe geschlossen. Bei Fünf-Knopf-Sakkos bleiben alle Knöpfe bis auf den untersten zu. Beim Frack wird immer offen getragen. Bei der Weste bleiben alle Knöpfe bis auf den untersten geschlossen.
- Kaffee: Heißgetränke werden erst serviert und getrunken, wenn das gesamte Besteck abgeräumt wurde.
- Körperhaltung: Arme nie vor dem Körper verschränken oder den Oberköper vom Gegenüber wegdrehen. Nicht zu dicht auf den Partner heran rücken. Nehmen Sie immer eine offene und freundliche Körperhaltung ein.
- Komplimente: Werden zwar positiv bewertet und lockern auch das Betriebsklima auf. Allerdings sollte in Hierarchieabhängigkeiten aufgepasst werden und die Komplimente allgemein gehalten und sittsam sein.
- Kondolieren: Wer vom Tod eines Bekannten, Nachbarn, Geschäftspartners oder Kunden erfährt, sollte umgehend schriftlich kondolieren. Karten, Umschläge oder Briefpapier mit schwarzem Rand sind Hinterbliebenen vorbehalten. Für die aufrichtige Anteilnahme kein Geschäftspapier verwenden. Mein herzliches Beileid, ist die angebrachte Sprachformel.
- Krawatte: Sie reicht genau bis zur Gürtelschnalle, nicht länger, nicht kürzer. Der Knoten darf nie so dick werden, dass er den Kragen vom Hemd abdrückt.
- Ladies first: Im Privaten gilt, der Dame die Tür aufzuhalten und ihr in den Mantel zu helfen. Im Geschäftlichen gilt das Hierarchieprinzip, bei dem dann aber sowohl der Mann als auch die Frau in den Mantel helfen dürfen.
- Malheur: Verursachen Sie Flecke, bitten Sie den Kellner um Abhilfe. Falls ein Tischnachbar betroffen ist, erfolgt Ihre Entschuldigung und die Aussprache der Übernahme von Reinigungskosten. Sind nur Sie betroffen, ziehen Sie sich auf die Toilette zurück.
- Mitfahren im Auto: Darf grundsätzlich angenommen werden. Setzen Sie sich nicht nach hinten. Bei Taxifahrten sitzt der Ranghöchste hinten rechts.
- Order: Der Gastgeber bestellt im Restaurant zuletzt, die Gäste nach Alter, Geschlecht und Rang zuerst. Ebenso wird eine Speisenkarte zuerst den Frauen mit absteigendem Alter gereicht und dann den Herren mit absteigendem Alter.
- Privatsphäre und Abstand: Bei Geschäftsgesprächen sollte ein Abstand von einem Meter eingehalten werden. Eine
vertrautere Atmosphäre kann besser durch Körperhaltung und Gestik als durch eine niedrige Distanz hergestellt werden. - Pünktlichkeit: Termine und Veranstaltungen sind exakt einzuhalten. Ein akademisches Viertel ist im Geschäftsleben absolut tabu. Sollte sich die Ankunft durch Verspätung verzögern, so muss unverzüglich angerufen und um Entschuldigung gebeten werden.
- Serviette: Wird ausgebreitet und einmal gefaltet auf den Schoß gelegt. Wenn Sie herunterfällt, bitten Sie das Personal um eine neue und heben Sie die alte nicht wiederauf. Wer aufstehen muss, legt die Serviette links neben den Teller. Der Gastgeber zeigt mit derselben Geste, dass das Essen beendet ist.
- Small Talk: Das zwanglose Gespräch dient zum gegenseitigen Kennenlernen, Gemeinsamkeiten zu betonen und eine gute Atmosphäre zu schaffen. Als Einstieg eignen sich Bemerkungen über das Ambiente, das Essen, Literatur, unverfängliche Urlaubsthemen, den Wein, das Wetter. Alle Bemerkungen sollten positiv sein, Kritik ist ebenso tabu wie politische, religiöse oder weltanschauliche Diskussionen.
- Schminken: Erfolgt stets auf der Toilette und niemals bei Tisch.
- Schuhe: Sommer- und Winterschuhe in schwarz und braun gehören zur Grundausstattung. Stiefel im Winter und Sandalen im Hochsommer sind absolut tabu.
- Streit: Findet in Ihrer Gegenwart ein Streit statt, ziehen Sie sich umgehend, diskret und mit einem Vorwand zurück und kommen erst wieder, wenn sich die Situation beruhigt hat. Bei Andauer des Streits, entschuldigen Sie sich und gehen.
- Suppe: In Deutschland gilt; nicht schlürfen; nicht pusten, kein Brot eintunken, den Löffel nur mit der Spitze zum Mund führen. Möglichst wenige Geräusche verursachen. Cremesuppen und Suppen mit Einlagen werden nur ausgelöffelt, klare Brühen dürfen auch ausgetrunken werden.
- Telefon: Wer anruft, grüßt und stellt sich vor; wer angerufen wird, nennt seinen Namen. Wer an öffentlichen Orten telefoniert, nennt keine Namen und hält das Gespräch möglichst kurz. Ebenso wird ein Telefonat in öffentlichen Verkehrsmitteln mit dem Hinweis auf die Situation und einen Rückruf baldigst beendet.
- Verabschieden: Verabschieden Sie sich von Ihrem Gastgeber und danken Sie für die Einladung und loben Sie die Veranstaltung. Ein Herausstehlen ist unhöflich. Nur in Ausnahmesituationen kann man sich bei großen Veranstaltungen „davonstehlen“.
- Visitenkarten: Im Meeting übergibt der Besucher als Erster seine Karte, in Gruppen erhält sie zuerst der Ranghöchste. Ist die Hierarchie nicht erkennbar, werden die Karten reihum verteilt, beginnend mit der nächsten Person. Stecken Sie die Karten nie ungelesen weg.
Literatur
Begemann, Petra: Business-Knigge. Frankfurt 2001.Schneider-Flaig, Silke: Der neue große Knigge: Gutes Benehmen und richtige Umgangsformen. Benimm ist wieder in privat und im Beruf. München 2004.
