Existenzgründung/selbständig machen


Unternehmerische Freiheit, sein eigener Chef sein und die zündende Geschäftsidee selber umsetzen sind gute Gründe für eine Selbständigkeit. Viele schrecken jedoch vor diesem Schritt zurück aus Angst vor den administrativen Aufgaben und dem Mangel an kaufmännischem Fachwissen. Außerdem bedeutet selbständig Arbeiten ein ganz anderes Arbeiten, als man es als Angestellter mit geregeltem Einkommen kennt. Jeder muss sich vorab die Frage stellen, ob er ein unternehmerisch rechnender und handelnder Typ ist, der bereit ist, Risiko, Verantwortung und zu Beginn auch oftmals ein niedriges und nicht kontinuierliches Einkommen zu tragen beziehungsweise zu akzeptieren.
Wer sich dennoch für die Selbständigkeit und die Gründung eines Unternehmens entscheidet, kann in der Regel Unterstützung in Anspruch nehmen. Staatlich wird die Existenzgründung beispielsweise gefördert, um Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Gelingt dies nicht durch Angestelltenverhältnisse, ist die Existenzgründung ein gangbarer Weg.
Finanztip.de erläutert dazu die Rechtslage wie folgt: Ein Zwei-Phasen-Modell bildet seit 2006 die Grundlage zur Förderung der Existenzgründung. Die neue Existenzgründungsförderung ist in das Hartz-IV-Fortentwicklungsgesetz mit aufgenommen worden.
In den ersten neun Monaten umfasst die Förderung den monatlichen Arbeitslosengeldanspruch und zusätzlich eine Pauschale von 300 Euro pro Monat. Arbeitslose haben einen Anspruch auf diese Förderung. Allerdings soll die Tragfähigkeit der Existenzgründung vor Beginn der Förderung eingehend geprüft werden. Die persönliche Eignung ist eine Fördervoraussetzung. Nach neun Monaten muss der Existenzgründer die Geschäftsfähigkeit und die Tragfähigkeit erneut nachweisen. Die Förderung für den zweiten Zeitraum von sechs Monaten liegt nach Prüfung der Förderungswürdigkeit im Ermessen der Arbeitsvermittler.
Wenn die Prüfung der Förderungswürdigkeit durch die Agentur für Arbeit positiv ausfällt, kann in einer zweiten Phase für weitere sechs Monate eine Pauschale von 300 Euro pro Monat an den Gründer gezahlt werden. Es können aber nur Arbeitslose diese Förderung beantragen und erhalten, die noch mindestens drei Monate Anspruch auf das Arbeitslosengeld haben. Der Anspruch auf das Arbeitslosengeld wird mit dem Fördergeld verrechnet. Wer ohne wichtigen Grund selbst kündigt, erhält für eine Karenzzeit von drei Monaten kein Fördergeld.
Jeder sollte sich doch im Vorfeld Gedanken darüber machen, ob er für diese Form von Selbständigkeit geeignet ist. Dazu gibt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technik zu bedenken:
Es gibt viele gute Gründe dafür, sich beruflich selbständig zu machen: eigenverantwortlich entscheiden zu können, eigene Ideen umzusetzen, Erfolg zu haben oder auch seine Arbeitszeit frei einzuteilen.
Es gibt aber auch viele gute Gründe dafür, zunächst einmal genau zu überlegen, ob man tatsächlich für die berufliche Selbständigkeit geeignet ist. Ein Unternehmen zu führen ist schließlich keine Kleinigkeit, selbst wenn es nur ein Ein-Personenunternehmen ist. Orientieren Sie sich an den Eigenschaften erfolgreicher Unternehmer. Sie verfügen beispielsweise über Selbstdisziplin, Zielstrebigkeit, Kommunikationsfähigkeiten, Kreativität und Risikobewusstsein. Sie kennen ihren Markt und wissen, wie sie mit ihren Kunden umgehen müssen. Hinzu kommen fachliches und kaufmännisches Know-how - die Grundvoraussetzungen für jedes erfolgreiche unternehmerische Handeln.
Die berufliche Selbständigkeit verändert nicht nur Ihren Alltag, sondern auch den Ihrer Familie. Sie sind auf sich selbst gestellt und müssen tagtäglich im wahrsten Sinne des Worte etwas unternehmen, um am Markt zu bleiben und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Viele Gründerinnen und Gründer erfüllen sich mit ihrer Selbständigkeit einen Traum und sind mit ihrer Entscheidung zufrieden. Andere betrachten ihre Existenzgründung als Notlösung.
Versuchen Sie, so genau wie möglich festzustellen, warum Sie sich selbständig machen möchten und ob Sie tatsächlich das "Zeug" zur Unternehmerin oder zum Unternehmer haben. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und sprechen Sie zum Beispiel mit Beratern der Kammern, mit befreundeten Selbständigen und mit Familienangehörigen.

Gründungsarten

Die Wahl eines bestimmten Wegs in die Selbständigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab: Haben Sie eine gute Geschäftsidee, die Sie verwirklichen wollen? Haben Sie die Gelegenheit, ein funktionierendes Unternehmen weiter zu führen? Wollen Sie Ihr unternehmerisches Risiko begrenzen? Haben Sie die Chance, als Teil einer guten Mannschaft zu starten? Wollen Sie erst einmal klein anfangen? Usw.
  • Welche Sie wählen, hängt hauptsächlich von drei Faktoren ab:


  • Wie viel Gestaltungsspielraum wollen Sie haben?


  • Wie kann das Risiko reduziert werden?


  • Gibt es eine günstige Gelegenheit zum Kauf oder zur Pacht eines Unternehmens?

Sie können auf vielen verschiedenen Wegen zu Ihrem eigenen Unternehmen kommen.

Checkliste Arten von Existenzgründung

  • Neugründung


  • Unternehmensübernahme


  • Franchising


  • Teamgründung


  • E-Business


  • Ausgründung


  • Spin-off-Gründung


  • Beteiligung


  • Kooperation


  • Kleingründung


  • Nebenerwerbsgründung

Mit allen diesen Möglichkeiten der Existenzgründung sind zahlreiche Fragen verbunden, die im Vorfeld zu klären sind. Nur die wenigsten Gründer können diesbezüglich auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, so dass in dieser wichtigen Phase unbedingt fachlich qualifizierte externe Berater hinzugezogen werden sollten.

Branchen und Zielgruppen

Jede Branche erfordert spezielle Gründungsvorbereitungen. Für bestimmte Tätigkeiten im Handwerk benötigen Sie beispielsweise einen Meisterbrief. Im E-Business sollten Sie wissen, wie der online-Markt funktioniert. Und für Künstler oder Medienschaffende will die Kontaktaufnahme zu potenziellen Auftraggebern gekonnt sein.
Berufliche Qualifikationen: Nicht jede gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit erfordert einen bestimmten Ausbildungsabschluss. Ob und welche berufliche Qualifikation Sie benötigen, erfahren Sie von Ihrer zuständigen Kammer oder Ihrem Berufsverband.
Anmeldungen/Genehmigungen: Welche Behörden müssen Sie im Verlauf Ihrer Gründungsvorbereitungen aufsuchen? Handwerklich Betriebe benötigen in der Regel Genehmigungen vom Umweltamt. In der Gastronomie ist das Gesundheitsamt ein wichtiger Ansprechpartner. Und wer in seiner Wohnung ein Gewerbe betreiben möchte, sollte sich auch dazu frühzeitig erkundigen.
Kunden: Es ist ein großer Unterschied, ob Sie mit Laufkundschaft rechnen, Auftraggeber gezielt ansprechen müssen, oder mit Ihren zukünftigen Kunden ausschließlich online kommunizieren. Wie Sie Ihre Kunden am besten ansprechen hängt dabei nicht nur von der Branche ab, sondern auch von Ihrem besonderen Angebot, mit dem Sie sich von Ihren Wettbewerbern unterscheiden.
Finanzierung: Die Höhe des Startkapitals hängt nicht nur vom Umfang des Vorhabens ab, sondern selbstverständlich auch von Ihrer Branche. Schließlich benötigt selbst ein kleiner Hightech-Betrieb in der Regel ein sechsstelliges Startkapital wohingegen eine freiberufliche Tätigkeit eher geringe Startkosten verursacht. Für Kapitalgeber sind nicht zuletzt die gesamtwirtschaftlichen Aussichten einer Branche von Bedeutung.

Beratung

Bevor Sie ein eigenes Unternehmen gründen, sollten Sie sich umfassend beraten lassen. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Möglichkeiten der Gründungsunterstützung, die von staatlichen und privaten Institutionen z.T. auch unentgeltlich angeboten werden.
Beratung ist kein Nachhilfeunterricht, Beratung ist Entscheidungshilfe. Informationsdefizite sind immerhin die zweithäufigste Ursache für das frühzeitige Aus junger Unternehmen! Fragen Sie erfahrene Partner und Berater, die sich in Ihrer Branche auskennen, um Rat. Neutrale Beobachter können Ihr Konzept sachlich beurteilen und Sie aufgrund der Erfahrung bei der Umsetzung Ihres Gründungsvorhabens unterstützen.

Eine erste Beratung sollte zunächst folgende Fragen klären:

  • Ist meine Geschäftsidee Erfolg versprechend?


  • Reichen meine persönlichen und fachlichen Kenntnisse aus?


  • Stimmen meine Markteinschätzungen?


  • Sind meine finanziellen Überlegungen realistisch?


  • Lohnt es sich für mich, das Risiko der Selbständigkeit einzugehen?

Gut zu Wissen

Achten Sie darauf, dass Sie bei Beratungen nicht zu viel Planungsarbeit abgeben und dadurch den Überblick verlieren. Es ist Ihr Unternehmen. Sie müssen die Zügel in der Hand behalten!

Beratung: Investition in die Zukunft

Jeder Gründer startet aus einer individuellen Ausgangsposition heraus in die Selbständigkeit. Qualifikation, familiäres Umfeld, Finanzausstattung, Alter etc. - alle diese Faktoren bedürfen einer eingehenden Erörterung. Sie als Gründer müssen eine Entscheidung treffen können, die auf einer fundierten Faktenlage beruht; Ihr Unternehmen sollte nicht aus einer "Bauchentscheidung" heraus entstehen.
Betrachten Sie Ihre Aufwendungen für Recherchen, Marktanalysen und intensive Beratungsleistungen nicht als Kosten, sondern als eine Investition in Ihr Gründungsvorhaben und damit auch in Ihre persönliche Zukunft.

Initiativen und Wettbewerbe

Existenzgründungsinitiativen richten sich in der Regel an Gründerinnen und Gründer kurz vor und nach dem eigentlichen Unternehmensstart, während Businessplan-Wettbewerbe vor allem für Gründerinnen und Gründer vor dem eigentlichen Unternehmensstart interessant sind.

Existenzgründungsinitiativen


Gründerinitiativen helfen bei der Ideenfindung und der Ausarbeitung von Unternehmenskonzepten oder Businessplänen und der Unternehmensführung.

Besonderheiten von Existenzgründungsinitiativen

  • Für potenzielle Gründerinnen und Gründer gibt es eine Art "Baukastensystem" von Beratern, die sie - je nach Zeit und Bedarf - auswählen können. Beispiele: Informationsveranstaltungen und Seminare zu allen Aspekten und Fragen der, Beratung und Coaching, Initiativen-Partner für bestimmte Fragestellungen und zum Erfahrungsaustausch, Gründer-Treffs.


  • Es gibt keine Konkurrenz und keine Preisgelder.


  • Existenzgründungsinitiativen sind zeitlich offen organisiert (keine festgelegten Arbeitsphasen).


  • Träger von Initiativen sind meist mehrere öffentliche Akteure aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, die in "konzertierten Aktionen" dafür sorgen, dass Unterstützung vor Ort bereitgestellt wird.

Businessplan-Wettbewerbe

Businessplan-Wettbewerbe richten sich an Gründerinnen und Gründer vor dem eigentlichen Unternehmensstart. Jeder Wettbewerb "dreht sich" (wie der Name schon sagt) um die Ausarbeitung und Umsetzung von Businessplänen.

Existenzgründungs-Wettbewerbe

Existenzgründungs-Wettbewerbe richten sich an Gründerinnen und Gründer nach dem eigentlichen Unternehmensstart.

Planungswerkzeuge

Der Existenzgründungsberater: Mit dem online-Lernprogramm können sie sich auf Ihre Existenzgründung vorbereiten.
Fahrplan in die Selbständigkeit: Der Fahrplan zeigt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Stationen auf dem Weg in die Selbständigkeit.
Online-Check Beratung: Stellen Sie Ihre Beratungslücken fest und finden Sie gezielte Beratung und Information.
Zeitplaner für die Selbständigkeit: Der Zeitplaner hilft Ihnen, eine Übersicht über alle Gründungsaufgaben und Termine zu erstellen.
Business-Planer Online: Die Unterstützung für die Planung und Erstellung Ihres Gründungskonzeptes
Weitere hilfreiche Planungswerkzeuge: Businessplaner, Patent- und Markenplaner sowie weitere praktische Planer - finden Sie in der Übersicht der Onlinesoftware des BMWi.

Gründungspraxis

Akquise oder Gründungsformalitäten: was zuerst? Eine Gründerin möchte gerne wissen, ab wann ein Unternehmen (Einzelunternehmen) offiziell als gegründet bzw. als existent gilt. Ab wann darf sie (Beratungs-)Aufträge annehmen und Verträge mit Kunden schließen oder mit der Auftragsabwicklung beginnen?
Geschäftsidee entwickeln? Ein gelernter Bürokaufmann hat zuletzt als Rechnungsprüfer gearbeitet und ist nun seit einiger Zeit arbeitslos. Er möchte sich selbständig machen.
Personal einstellen und Freiberuflerstatus behalten: Vor gut einem Jahr hat sich ein arbeitsloser Lehrer mit einem kleinen Nachhilfe-Unternehmen selbständig gemacht. Er ist derzeit als Freiberufler beim Finanzamt gemeldet.
Existenzgründung während der Elternzeit: Eine Buchhalterin möchte sich während der Elternzeit mit einem Buchhaltungsservice selbständig machen. Ihr Arbeitgeber möchte sie im Anschluss an die Elternzeit nicht in Teilzeit beschäftigen, so dass sie dort nicht mehr arbeiten wird.
Freiberufler oder nicht? Ein Existenzgründer möchte gerne wissen, ob er als ausgebildete Sicherheitsfachkraft freiberuflich beratend tätig werden darf.

Businessplan erstellen

Wie setzen Sie Ihre Geschäftsidee in die Tat um? Genau diese Frage beantworten Sie in Ihrem Geschäftskonzept oder Businessplan. Darin beschreiben Sie, was Sie vorhaben und was Sie tun müssen, damit Ihr Gründungsvorhaben gelingt.
Unabhängig von der Größe und der Branche Ihres Unternehmens sollten Sie in Ihrem Businessplan folgende Fragen beantworten:

Businessplan

  • Was befähigt Sie dazu, Ihr Unternehmen zu führen?


  • Welches Produkt/welche Dienstleistung möchten Sie anbieten?


  • Wer sind Ihre Kunden? Wer sind Ihre Konkurrenten?


  • Welche Marketingaktivitäten planen Sie?


  • Wie organisieren Sie Ihr Unternehmen?


  • Welche Risiken und welche Chancen hat Ihr Vorhaben?


  • Wie hoch ist Ihr Kapitalbedarf?


  • Wie finanzieren Sie Ihr Vorhaben und die Startphase?

Je nach Branche und Ausgangssituation müssen Sie ggf. bestimmte Schwerpunkte setzen. Kontaktieren Sie daher frühzeitig Beratungsstellen, die Ihnen bei der Ausarbeitung Ihres Businessplans helfen. Dazu gehören zum Beispiel die Existenzgründungsberater der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern oder auch der regionalen Gründungsinitiativen.
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Businessplan-Wettbewerben. Sie unterstützen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der perfekten Ausarbeitung ihres Unternehmenskonzepts.
Erkundigen Sie sich bei Ihrem Berufs- bzw. Branchenverband oder auch den Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen nach Zahlenmaterial zu Kunden, Konkurrenz und Umsätzen in Ihrer Branche. Fragen Sie bei Ihrer Hausbank und der KfW-Mittelstandsbank nach Förderprogrammen.

Finanzierungswissen

Die richtige Gründungsfinanzierung orientiert sich an einer Reihe von Fragen, die Sie in Ihrem Finanzierungskonzept klären sollten. Auf diese Weise können Sie für Ihr Unternehmen eine passgenaue Finanzierung entwickeln.

Art der Gründung?

Zunächst einmal muss sich jede Finanzierung immer am Bedarf des Gründers und seines Vorhabens orientieren. Das "schönste" Förderdarlehen nützt nichts, wenn es für das Unternehmen nicht geeignet ist. Die erste Frage betrifft daher die Art des Gründungsvorhabens:
  • Handelt es sich um eine Kleingründung oder Nebenerwerbsgründung?


  • Handelt es sich um eine Gründung im Handel oder im handwerklichen, industriell-gewerblichen oder im freiberuflichen Bereich?


  • Kommt der Gründer aus der Forschung und will ein Hightech oder Lifescience-Unternehmen gründen?


  • Handelt es sich um eine Unternehmensnachfolge, bei der der Kaufpreis oder die Auszahlung an den bisherigen Eigentümer oder an die Erben mitfinanziert werden müssen?

Höhe des Finanzierungsbedarfs? Viele Gründerinnen und Gründer kalkulieren zu knapp und "verdursten" dann auf halber Strecke, sei es, weil die Geschäfte nicht so anlaufen, wie sie es sich erhofft haben oder weil etwas anderes unvorhergesehenes geschieht. Sie sollten also immer einen Puffer bei der Finanzierung berücksichtigen. Außerdem sollten Sie überlegen, ob die Ausstattung, die Sie sich für den Start anschaffen möchten, auch tatsächlich in dem Umfang notwendig ist. Möglicherweise ist in dem einen oder anderen Fall erst einmal eine kleinere Ausrüstung ausreichend. Überlegenswert ist auch, ob Büroausstattung, Kfz oder vielleicht auch Maschinen oder Hilfsmittel zunächst angemietet oder aus zweiter Hand gekauft werden können. Das alles trägt dazu bei, den Schuldenberg, der entsteht, wenn Sie Fremdkapital in Anspruch nehmen, so niedrig wie möglich zu halten.
Höhe des Eigenkapitals? Selbstverständlich müssen Sie klären, wie viel eigenes Kapital Sie in Ihr Vorhaben investieren können. Womöglich können Sie es sogar ganz aus eigenen Mitteln finanzieren, wenn es sich um die Einrichtung eines kleinen Büros oder eine Kleingründung handelt. In den meisten Fällen ist aber externes Kapital notwendig. Und auch dabei geht es in der Regel nicht ohne Eigenkapital: Zum einen sollte sich niemand zu 100 Prozent von fremden Kapitalgebern abhängig machen, zum anderen wird Ihnen kein Kapitalgeber Geld geben, wenn Sie nicht selbst auch bereit sind, Ihr eigenes Geld im angemessenen Rahmen in Ihr Vorhaben zu investieren.
Finanzierungszeitraum? Als Existenzgründer und Unternehmer sollte man wissen, über welchen Zeitraum die Finanzierung laufen soll. Es ist schließlich ein Unterschied, ob Sie ein Darlehen nach einem Jahr getilgt haben und damit schuldenfrei sind, dafür aber höhere Tilgungsraten und höhere Zinsen in Kauf nehmen. Oder ob Sie ein Darlehen mit einer Laufzeit von fünf, zehn oder noch mehr Jahren in Anspruch nehmen. Sinnvoll kann auch eine Finanzierung in Etappen sein, je nach Entwicklung des Unternehmens. Diese Umstand berücksichtigen die Förderprogramme des Bundes für Existenzgründerinnen und –gründer: das KfW-StartGeld und das ERP-Unternehmerkapital. Beim ERP-Unternehmerkapital wird außerdem die Eigenkapitalbasis des Existenzgründers gestärkt.
Welche Sicherheiten? Jeder Kapitalgeber möchte sich natürlich absichern für den Fall, dass der Kreditnehmer nicht in der Lage sein sollte seinen Kredit zurückzuzahlen. Bei Bank-Darlehen werden daher Sicherheiten verlangt. Selbst bei öffentlichen Darlehen ist unter Umständen ein bestimmter Prozentsatz mit Sicherheiten abzudecken. Bei der Frage der Sicherheiten sollten Sie allerdings auch vorsichtig sein: Die eigene Wohnung, in der man selbst lebt, könnte ein Problem werden. Dies gilt auch für Lebensversicherungen, die der Altersvorsorge dienen. Sie sollten nicht voreilig als Darlehenssicherheit angeboten werden. Bevor man Sicherheiten zur Verfügung stellt, sollte man sich daher genau informieren.
Welcher Kapitalgeber? Es gibt öffentliche Kapitalgeber, also Bund und Länder, die vielseitige Programme zu günstigen Konditionen anbieten, um den besonderen Anforderungen von Existenzgründern und Unternehmern Rechnung zu tragen. In der Regel handelt es sich um Darlehen und Beteiligungskapital.
Daneben werden von den Banken und Sparkassen ebenfalls eigene Kredite für Existenzgründer angeboten. Ein wichtiger Partner für kapitalintensive und schnell wachsende Unternehmen sind mittelständische Beteiligungsgesellschaften, und privatwirtschaftliche Kapitalgeber: Venture Capital-Gesellschaften oder Business Angels. Auch stille Teilhaber kommen als Kapitalgeber in Frage.
Bei allen Kapitalgebern sollten Sie immer folgende Punkte beachten
Gehen Sie nicht als Bittsteller, sondern als potenzieller Geschäftspartner auf Ihren Gesprächspartner zu.
Sprechen Sie mit mehreren Kapitalgebern und vergleichen Sie deren Angebote.
Lehnt ein Kapitalgeber ein Geschäft mit Ihnen ab, versuchen Sie, die Gründe dafür zu erfahren und lernen Sie daraus.
Welche Beratung? Die Finanzierung ist ein besonders wichtiges Kapitel einer Existenzgründung. Lassen Sie sich daher unbedingt beraten: bei den Kammern, der KfW Mittelstandsbank und natürlich Ihrer Bank oder Sparkasse. Bereiten Sie Ihre Gespräche gut vor, damit Ihre Gesprächspartner Ihr Vorhaben genau einschätzen können.

Finanzierungsfehler

  • zu wenig Eigenkapital


  • keine rechtzeitigen Verhandlungen mit der Hausbank


  • Verwendung des Kontokorrentkredits zur Finanzierung von Investitionen


  • hohe Schulden bei Lieferanten


  • mangelhafte Planung des Kapitalbedarfs


  • öffentliche Finanzierungshilfen nicht beantragt bzw. deren Tilgung nicht berücksichtigt


  • finanzielle Überlastung durch scheinbar günstige Kredite

Förderprogramme

Der Bund sowie das ERP-Sondervermögen, die Länder und die EU unterstützen den Start in die unternehmerische Selbständigkeit durch Förderprogramme.
Dabei handelt es sich meistens um Darlehen, aber auch um nicht-rückzahlbare Zuschüsse. Typisch für öffentliche Förderdarlehen sind u.a. günstige Zinsen, lange Laufzeiten und häufig eine rückzahlungsfreie Zeit, bis Sie mit der Tilgung beginnen müssen.

Beratung lohnt sich

Verschenken Sie kein Geld und lassen Sie sich beraten:
  • BMWi-Finanzierungshotline, Tel. 03018 615-8000


  • Infocenter der KfW Mittelstandsbank, Tel. 0180 1 241124


  • Wirtschaftsministerium Ihres Bundeslandes


  • Investitionsbank Ihres Bundeslandes

Antrag bei der Hausbank: Öffentliche Fördermittel des Bundes und der Länder müssen Sie grundsätzlich bei Ihrer Hausbank beantragen. Gehen Sie keine finanziellen Bindungen ein, ohne sich über solche Förderprogramme zu informieren. Fördermittel müssen Sie vor dem Vorhabensbeginn beantragen. Im Nachhinein werden keine Fördermittel bewilligt (Ausnahme: Investitionszulage).
Voraussetzung für eine Förderung: Eine Förderung über öffentliche Finanzierungshilfen - insbesondere bei Existenzgründern - setzt voraus, dass die Antragstellerin bzw. der Antragsteller eine ausreichende fachliche und kaufmännische Qualifikation nachweisen kann. Darüber hinaus wird in der Regel erwartet, dass die Existenzgründung in eine tragfähige "Vollexistenz" als Haupterwerbsgrundlage mündet.

Tipp

Erkundigen Sie sich auch nach Länderprogrammen. Für Forschung, Entwicklung und Innovation, für die Teilnahme an Messen im In- und Ausland, nach Umweltprogrammen oder hinsichtlich steuerlicher Förderung (u.a. Investitionszulagen) fragen Sie nach speziellen Programmen des Bundes und der Länder.
Ganz pragmatisch hat die Handwerkskammer Stuttgart eine Liste der zehn Erfolgsfaktoren zusammengestellt, durch die im Vorfeld eine Gründung, ob Sie
die geeigneten Voraussetzungen für einen Gründer mitbringen, geprüft werden kann.

Checkliste 10 Erfolgsfaktoren für Existenzgründer

1. Der unbedingte Wille zum Erfolg: Sie sind bereit, 50 oder 60 Stunden pro Woche zu arbeiten und zunächst auf Freizeit und Urlaub zu verzichten. Das gelingt nur, wenn auch die Familie hinter dem Vorhaben steht.

2. Gefestigtes Selbstvertrauen: Nur wer an sich glaubt, setzt sich durch. Dazu gehören Optimismus, Weitblick und der Glaube an die Zukunft.

3. Erfolgversprechende Geschäftsidee: Ihre Geschäftsidee muss eigene Stärken und Schwächen berücksichtigen und die Markt- und Konkurrenzsituation im Auge behalten. Entscheidend ist die Orientierung an den Kundenwünschen.

4. Unternehmenskonzept: Das Unternehmenskonzept zeigt bereits im Vorfeld, wo Stärken und Schwächen der geplanten Existenzgründung liegen. Erfolgreiche Gründer passen deshalb die Planungen laufend den neuesten Entwicklungen an.

5. Finanz- und Liquiditätsplanung: Die Einnahmen und Ausgaben des Betriebes müssen sorgfältig geplant und permanent überwacht werden. Berücksichtigen Sie eine entsprechende Anlaufphase, so können Sie auf finanzielle Engpässe schnell reagieren.

6. Marketing: Sie kennen Ihren Markt, die Konkurrenz und die Wünsche Ihrer Kunden. Sie haben eine klare Preispolitik und wissen, wie Sie das Interesse Ihrer Kunden wecken können.

7. Erkennen von Marktlücken: Auch in traditionellen und gesättigten Märkten können Marktnischen aufgespürt werden. Freundlicher Umgang mit Kunden, gute Beratung und ein umfangreiches Serviceangebot sind letztlich auch Marktnischen und Erfolgsfaktoren für viele Existenzgründer.

8. Kooperationen: Kunden wollen heute “Alles aus einer Hand”, doch kein Handwerker ist auf allen Gebieten Spitze. Hier bietet sich die Zusammenarbeit mit Betrieben an, die Ihr eigenes Leistungsangebot sinnvoll ergänzen.

9. Personal: Ein Betrieb braucht motivierte Mitarbeiter. Erfolgsfaktoren sind deshalb: regelmäßige Informationen an Ihre Mitarbeiter, Delegation von Aufgaben und eine an der Leistung orientierte Bezahlung.

10. Beratung: Unternehmer im Handwerk müssen Alleskönner sein: Handwerker, Verkäufer, Einkäufer, Kalkulator, Werbeexperte, Personalchef. Die Handwerkskammer und Fachverbände bieten hier ein umfangreiches Dienstleistungsangebot. Nimmt die Beratung einen größeren Umfang in Anspruch, stehen auch zahlreiche freiberufliche Unternehmensberater zur Verfügung.

Literatur

Arnold, Jürgen: Existenzgründung - Fakten & Grundsätzliches. 2., aktualisierte Auflage Burgrieden 2008.

Bonnemeier, Sandra: Praxisratgeber Existenzgründung: Erfolgreich starten und auf Kurs bleiben. München 2008.

Hofert, Svenja: Praxisbuch Existenzgründung: Erfolgreich selbständig werden und bleiben. Frankfurt 2007.