Karriereplanung


Karriereplanung umfasst alle zielgerichteten Aktivitäten zur Berufswahl, zur Erlangung einer bestimmten Position oder zur Neuorientierung im Berufsleben. Damit ist Karriereplanung ein permanenter Prozess, der nicht nur vor Beginn der Ausbildungs- und Berufswahl steht, sondern in der heutigen Zeit bis zum Ende des Berufslebens einen wichtigen Baustein darstellt, um im Arbeitsprozess vorwärts zu kommen oder sich in ihm zu bewähren. Die Karriereplanung wird deshalb nicht nur von Schülern und Studenten, sondern auch von Berufstätigen betrieben, die mit ihrer momentanen beruflichen Situation unzufrieden sind oder im extremsten Fall eine drohende Entlassung bevorsteht. Dann ist es Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, welches der nächste Schritt ist, und zu reflektieren, ob der momentane Arbeitsplatz die vor Jahren erhoffte Position darstellt.

Karriereplanung für Berufseinsteiger

Für Berufseinsteiger verschärft sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zunehmend. Lebenslange Positionen werden nur noch in den seltensten Fällen bekleidet und mehrfache Jobwechsel gehören bereits zum Alltag. Darüber hinaus spricht man auch von den Langzeitpraktikanten, die ohne unbefristete Arbeitsverhältnisse mit schlechter Bezahlung die Tätigkeit von Festangestellten übernehmen.
Karrieregarantien gibt es also nicht mehr, auch nicht bei älteren Berufstätigen. Ein akademischer Abschluss gewährleistet auch längst nicht mehr die sichere Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Wer statt zu studieren einen Ausbildungsplatz ergreift, hat mit der geringen Anzahl von Ausbildungsplätzen zu kämpfen. Dazu kommt meist der Wunsch, auf Arbeitsplätzen in sogenannten Modeberufe tätig zu werden, die gerade besonders gefragt und begehrt sind, jedoch genauso schnell wieder unattraktiv werden können oder einem enormen Überangebot von ausgebildeten Arbeitskräften gegenüber stehen. Ein antizyklisches Verhalten bei der Berufswahl kann da ein sinnvoller Schritt sein. Dennoch sollten Sie einen Beruf finden, der Sie begeistert und Ihnen Spaß macht.

Zeiteinteilung


Karriereplanung verlangt Konzentration und aufwändige Recherche und benötigt viel Zeit. Deshalb ist ein Zeitmanagement nötig. Die angepeilten Maßnahmen müssen dabei mit Prioritäten versehen werden, je nach Wichtigkeit und Vorlaufzeit. So sind beispielsweise Auslandseinsätze teilweise über ein Jahr im Voraus zu planen. Die Karriereplanung geschieht in der Regel parallel zum Studium oder zum Beruf. Daher ist Zeit kaum vorhanden. Dennoch muss es möglich sein, sich einen bestimmten Prozentsatz der Tageszeit für die Karriereplanung freizuhalten.

Vorgehensweise

Ihre Karriereplanung sollte schriftlich und idealerweise in einem Tabellenkalkulationsprogramm wie Excel erfolgen, so dass Aktualisierungen jederzeit möglich sind und Summen von Zeit- oder Geldeinsätzen problemlos gebildet werden können. Durch diese Art der Selbstkontrolle behalten Sie gut den Überblick und zwingen sich selbst eher, die nächsten Schritte zu tun. Vermeiden Sie also durch die Erstellung von Wochenplänen mit genauen Arbeitsaufgaben Zeitverluste. Schlechte Organisation und falsche oder fehlende Informationen sind einer der großen Stolpersteine. Außerdem sollte die Karriereplanung in mehrere Phasen eingeteilt werden. Diese reichen von der Orientierungsphase über die Informationsphase bis hin zur konkreten Umsetzungsphase.

Konkrete Schritte der Karriereplanung für Berufseinsteiger


Bei der Karriereplanung werden die Weichen für das gesamte Berufsleben gestellt. Die Orientierung erfolgt oftmals an den momentanen Bedürfnissen am Arbeitsmarkt oder an den persönlichen Neigungen und Interessen. Den größten Erfolg können Menschen erzielen, wenn sie sich anhand ihrer Begabung, Stärken und Werte orientieren und dazu eine passende und existenzsichernde berufliche Aufgabe suchen. Eine Rolle spielen also neben Fachwissen, Leistungsstärke sowie Kommunikations-und Sozialverhalten besondere Charaktereigenschaften, die jemanden für eine bestimmte Aufgabe befähigen und so der Schlüssel für eine erfolgreiche Karriere sein können:

  • Umfassende Kompetenzliste und Eigen-Potenzialanalyse erstellen



  • Mögliche Berufsfelder und Berufe ausloten (siehe dazu unser Thema Berufsberatung). Festlegung auf mehr als ein Gebiet, jedoch nicht mehr als drei



  • Information über Berufsfelder, Berufsbilder sowie Ausbildungs- und Studienwege


  • Mehrere Praktika absolvieren, um die eigene Vorstellung von dem Berufsbild mit der Realität abzugleichen und daraus die Berufsfeldwahl weiter einschränken zu können. Nebenbei wird Berufserfahrung gesammelt, die den Bewerbungsprozess positiv begleitet.



  • Entscheidung für ein Berufsfeld: Nachdem die vorangegangenen Arbeitsschritte erledigt worden sind, kann anhand einer Schlussbewertung mittels einer Positiv-/Negativliste die Entscheidung für einen bestimmten Bereich oder sogar schon für einen konkreten Beruf getroffen werden.



  • Berufsweg-Planung. Der Weg, der bis zur Ergreifung eines Berufes beschritten wird, kann über ganz unterschiedliche Ausbildungen führen. Duale Ausbildung oder Studium, Fachhochschule oder Trainee-Programm?


  • Bewerbung: Es gibt den Weg der klassischen Bewerbung auf eine ausgeschriebene Position, aber genauso auch Jobmessen, Initiativbewerbungen oder Kontakte aus Berufspraktika, die zu einer konkreten Bewerbung und final zu einer Anstellung führen können. Insbesondere die Erstellung der Bewerbungsunterlagen muss perfekt gelingen. (Siehe hierzu die Themen zu Bewerbung von Bewerbungstipps, über Lebenslauf bis hin zum Vorstellungsgespräch).


  • Berufseinstieg: Der Beginn einer Arbeit ist zugleich auch meist der Beginn einer Probezeit, die in der Regel sechs Monate dauert. Dabei haben beide Seiten die Gelegenheit, ihre Wünsche und Anforderungen aneinander abzugleichen. Innerhalb dieser Zeit zeigt sich, ob die Partner zusammen passen oder nicht. Spätestens kurz vor Ende der Probezeit sollten Sie sich fragen, ob der neue Job den Vorstellungen entspricht und ob man eine realistische Chance sieht, in diesem Unternehmen seine Karriereziele zu erreichen.


Karriereplanung für Berufstätige

Veränderung kann den Wechsel in eine nahezu identische Position bei einem anderen Arbeitgeber oder in eine andere Stadt bedeuten. Es kann aber auch zu einer kompletten Neuorientierung führen, weshalb eine Veränderung, auch wenn sie von außen erzwungen wurde, durchaus positiv gesehen werden sollte. Sie gibt Gelegenheit zur Besinnung auf die berufliche Vergangenheit.
Ist die Karriere ins Stocken geraten, befriedigt der Job nicht mehr oder steht der Verlust des Arbeitsplatzes bevor, so ist der nächste Karriereschritt unvermeidbar. An erster Stelle steht die Feststellung und Auflistung der Erfahrungen, Fähigkeiten, Qualifikationen und Stärken, aber auch der Interessen und Neigungen, die man gegebenenfalls über die Jahre aus den Augen verloren hat. Durch diese Analyse kann der erste Schritt zu einer Veränderung getan werden.

Schritte der Karriereplanung für Berufstätige

  • Die Stärken- und Schwächenanalyse erfolgt losgelöst vom eigentlichen Beruf, obwohl die Bewertung der Fachqualifikation natürlich eine entscheidende Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielt. Die losgelöste Analyse ergibt jedoch zunächst ein Profil der Fähigkeiten, die durchaus in unterschiedlichen Berufen und unterschiedlichen Branchen zum Tragen kommen können. Der nächste Schritt besteht dann darin, den passenden Job dafür zu finden.


  • Ist ihre Qualifikation nicht mehr gefragt, so kann eine Weiterbildungsmaßnahme helfen. (Siehe dazu unser Thema Weiterbildung).


  • Neues Kennen lernen: Falls man sich nicht darüber im Klaren ist, ob der ausgesuchte Tätigkeitsbereich oder die neue Branche denn wirklich das richtige ist, sollte ein Praktikum oder eine Hospitanz absolviert werden. Dadurch kann man seinen Wunschjob in Realität und Praxis kennenlernen.


  • Jobinformationen: Durch soziale Netzwerke können Sie Menschen kennen lernen, die Ihren angestrebten Traumberuf bereits ausüben. Versuchen Sie Kontakt herzustellen, stellen Sie Fragen.


  • Gehalt: Nicht immer bedeutet der nächste Karriereschritt auch mehr Gehalt und eine höhere Position. So ist zwar der vorgezeichnete Weg einer idealtypischen Karriere; die Realität sieht aber oft anders aus. Gerade bei einem Wechsel in insbesondere fachfremde Bereiche sind eine Vergütung unter dem vorherigen Niveau und durchaus auch ein geringerer Hierarchielevel nicht unüblich. Wenn Sie dafür einen Job gefunden haben, der Ihnen mehr Spaß bereitet und Ihnen bessere Perspektiven bietet, ist das mehr Wert als das Mehr an Geld und die vermeintlich bessere Hierarchieebene. (Wie viel Sie verdienen können erfahren Sie über eine Gehaltsanalyse auf www.gehalts-check.de).


  • Der Karrierewechsel sollte, falls nicht Zeitdruck von außen entsteht, sorgfältig vorbereitet werden. Ein schneller und überhasteter Wechsel aus einer sicheren Position ist immer ein Risiko. Es gibt meist keinen Weg zurück, Sie befinden sich in einer Probezeit, Sie treffen auf neue Kollegen und meist auf gewachsene Teams, in die Sie sich integrieren müssen. Man kann sicherlich nicht alle Eventualitäten im Vorfeld berücksichtigen, aber eine genaue Analyse und Informationsbeschaffung über den neuen Arbeitgeber sind Pflicht. Dazu kann gerade im Internet recherchiert werden. Schauen Sie zum Beispiel auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen nach, ob und wie Ihre zukünftige Firma beschrieben wird.


  • Ein grundlegender Karrierewechsel ist manchmal nicht möglich oder nicht ratsam. Gerade bei älteren Beschäftigten, in wirtschaftlich schlechten Zeiten oder bei unzureichenden Fähigkeiten ist Vorsicht geboten. Innerbetrieblich gibt es jedoch nicht selten die Gelegenheit, seinen Kompetenzbereich zu erweitern und Profil hinzuzugewinnen. Die Zuständigkeit für den Fuhrpark übernehmen, IT-Systemanwender für Kollegen zu werden und diese auch zu schulen, Vertreter des Unternehmens in Fachausschüssen zu werden oder eine vom Arbeitgeber unterstützte nebenberufliche Dozententätigkeit auszuüben, sind Varianten, um auch im bestehenden Unternehmen die eigene Karriere voranzutreiben.


  • Man sollte das Fest verlasen, wenn es am schönsten ist. An diesen Grundsatz wird sich kaum jemand im Berufsleben halten. Doch wer zu lange in einer Position verharrt, die ihm nicht mehr gefällt, wird unzufrieden und zeigt letztlich nicht mehr den nötigen Einsatz. Der Jobwechsel sollte also vorbereitet und vollzogen werden, bevor es zu spät ist und Sie Jahre der Unzufriedenheit erleben und in die sogenannte innere Firmenemigration gehen und den geistigen Rückzug ins Privatleben antreten. Machen Sie dann nicht den entscheidenden Schritt nach vorn, wird der Schritt von außen vollzogen.


Literatur

Mell, Heiko: Erfolgreiche Karriereplanung. Berlin 2006.

Breitbart, Sabine: Strategische Karriereplanung: Potenziale erkennen - Profil entwickeln. Ganzheitlich erfolgreich sein. Berlin 2006.